FRAUEN MIT HIV UND AIDS
EINE BETRACHTUNG ZUM WELTFRAUENTAG AM 8. MÄRZ
Aktuelle Videos zum Thema Frauen und HIV gibt es hier.
Das Thema HIV und Aids ist natürlich nicht nur unter einem rein medizinischen Gesichtspunkt zu betrachten. Allzu häufig spielen soziale, politische und kulturelle Aspekte eine entscheidende Rolle. Dies ist insbesondere bei infizierten Frauen der Fall, und bei kaum einer anderen Betroffenengruppe sind die weltweiten Unterschiede so massiv.
Der südlich der Sahara gelegene Teil Afrikas ist die am schwersten von HIV betroffene Region der Welt. In manchen afrikanischen Ländern sind über ein Drittel aller Menschen infiziert, in einigen ist durch die Immunschwäche die Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre gesunken. Und im Gegensatz zu Deutschland und anderen westlichen Ländern sind hier mit rund 57 Prozent die Mehrzahl der Betroffenen Frauen, – bei HIV-Infizierten unter 24 Jahren sogar fast zwei Drittel – darunter ein extrem hoher Anteil von Mädchen, die sehr jung und meist noch nicht volljährig sind.
Selbstbestimmung der Frau fehlt
Diese Zahlen sprechen leider Bände über die Situation der Frau in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern. Sexuelle Selbstbestimmung der Frau ist in weiten Teilen ein absolutes Fremdwort. Unterdrückung durch den Mann, sexuelle und körperliche Gewalt und die kulturell bedingt höhere Verbreitung von Polygamie und parallelen intimen Partnerschaften sind weitere wichtige Aspekte für die erhöhte Infektionsrate. Eine Untersuchung in Tansania ergab, dass die Infektionswahrscheinlichkeit junger Frauen, die Gewalt durch ihren Partner erfuhren, zehn Mal höher ist, als bei Frauen, die keine Gewalt erfuhren. Bei einer Befragung in Ostafrika gaben 14 Prozent der Befragten an, zu ihrer ersten sexuellen Erfahrung gezwungen worden zu sein.
Aber auch die große Armut in diesen Ländern spielt eine entscheidende Rolle. Denn aus ihr resultieren, neben kulturellen und politischen Faktoren, vielerorts fehlende Präventionskampagnen und der Frauen immer noch häufig verwehrte Zugang zu Bildung und Information. Auch Prostitution, insbesondere in Westafrika, ist eine wichtige Ursache. Laut einem Statusbericht von UNAIDS vom Dezember 2005 sind in Luanda, der Hauptstadt Angolas, 33 Prozent der Sexarbeiterinnen HIV-positiv.
Während im südlichen Afrika und zahlreichen anderen Entwicklungsländern eine offenkundige Unterdrückung der Frau vorherrscht, die die Infektionswahrscheinlichkeit steigen lässt, ist die Situation in Deutschland und in vielen westlichen Ländern eine vollkommen andere.
Situation in Deutschland
Laut den aktuellen Zahlen des Robert Koch Instituts von Ende 2009, lebten rund 67.000 Menschen mit HIV in der Bundesrepublik, darunter geschätzte 41.400 Personen, die sich durch Sex unter Männern angesteckt haben, 8.200 intravenöse Drogengebraucher und 7.500 Menschen, die aus sogenannten Hochprävalenzregionen, wie eben Afrika, stammen. Die hohen Zahlen in diesen Betroffenengruppen haben dazu geführt, dass die geschätzten 9.200 Infektionen aus heterosexuellen Kontakten in der öffentlichen Wahrnehmung oft eine untergeordnete Rolle spielen, und daraus resultierend auch die Situation von Frauen mit HIV.
Ungleichbehandlung und Tabuisierung
Zu dieser Betrachtungsweise gesellen sich weitere Faktoren: so der bisweilen immer noch verklemmte oder eben gerade sexualisierte Umgang mit der weiblichen Sexualität. In beiden Fällen hat ein Thema wie HIV und Aids keinen Platz, was zu einer zusätzlichen Tabuisierung führt.
Und obwohl rund 12.000 Betroffene und damit ca. 20 Prozent der Infizierten in Deutschland weiblich sind, sind HIV-positive Frauen in Studien noch immer deutlich unterrepräsentiert, sodass wichtige Geschlechtsunterschiede und frauenspezifische Besonderheiten kaum ausreichend untersucht werden. Dies hat auch Nachteile in der medizinischen Behandlung und Versorgung zur Folge, da die unterschiedlichen Auswirkungen von Therapie und Krankheitsverlauf zwischen Männern und Frauen oft nicht berücksichtigt werden können.
Hinzu kommt, dass es deutlich weniger Informationsmaterialien für Frauen gibt. Außerdem geraten Frauen häufiger als Männer durch HIV in soziale Not. Zum Weltfrauentag 2009 berichtete die Deutsche AIDS-Stiftung, dass der Prozentsatz von Antragsstellerinnen auf finanzielle Unterstützung mit 63 Prozent überproportional hoch ist. Gründe sind der geringere Verdienst und häufigere Arbeitslosigkeit im Vergleich zu Männern sowie zu versorgende Kinder, insbesondere, da der Großteil der HIV-positiven Mütter alleinerziehend ist.
Kinderwunsch und Schwangerschaft
In Zeiten des medizinischen Fortschritts rücken für Frauen auch Themen wie Schwangerschaft und Kinderwunsch vermehrt in den Fokus. Durch die medizinische Weiterentwicklung der letzten Jahre konnte die Infektionswahrscheinlichkeit von der Mutter auf das Kind auf unter ein Prozent reduziert werden. Dennoch sind die psychischen Belastungen während einer Schwangerschaft oder durch einen nicht erfüllten Kinderwunsch für viele infizierte Frauen immens. Gleichzeitig wird das Thema aber, wenn überhaupt öffentlich angesprochen, aus Unwissenheit vorschnell mit Verantwortungslosigkeit gleichgesetzt. Das Gegenteil ist zumeist der Fall, führt die Erkrankung doch dazu, dass sich HIV-positive Frauen umso intensiver und bewusster mit dem Thema auseinandersetzen.
Generell geraten Frauen mit HIV und Aids noch allzu oft in soziale Isolation, da gesellschaftliche Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung gefürchtet werden. Und Anlaufstellen, die auf die spezifischen Anforderungen von Frauen eingehen, sind weiterhin recht spärlich gesät, auch wenn AIDS-Hilfen und andere Beratungseinrichtungen seit einigen Jahren das Angebot in dieser Hinsicht massiv ausbauen.
Weltfrauentag soll aufmerksam machen
Jedes Jahr am 8. März findet der internationale Weltfrauentag statt, der seit einigen Jahren versucht, auch dem Thema HIV mehr Raum zu verschaffen. So deutlich wie die Unterschiede zwischen Subsahara-Afrika und Deutschland hervorstechen, so vielseitig ist die weltweite Situation von Frauen mit HIV und Aids, – ganz gleich, ob in der Ukraine oder Mexiko, ob in Thailand oder Schweden.
Eindeutig und nahezu überall gültig ist aber, dass die gesellschaftliche Rolle der Frau auch maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit von Frauen haben kann. Darauf hinzuweisen und bestehende Ungleichheiten zu beheben, ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Nicht nur am Weltfrauentag.
Weitere Informationen gibt es unter:
www.aidshilfe.de
www.netzwerkfrauenundaids.de
www.stiftung-gssg.de
www.projekt-lifeboat.de
www.xxelle-nrw.de
