HIV @ WORK
Den großen Schritt wagen: Selbstständigkeit trotz HIV
Mit einer HIV-Infektion vergeht vielen der Traum von der Selbstständigkeit. Doch wer eine gute Geschäftsidee hat, sollte sich nicht entmutigen lassen – für fast alles gibt es eine Lösung, auch mit oder trotz HIV!
„Am liebsten hätte ich mich längst selbstständig gemacht. Aber dann kam auch noch das Testergebnis …“. So verunsichert wie Bernd*, Friseur aus München und HIV-positiv, sind anfänglich
viele Betroffene beim Thema Selbstständigkeit, aber eine neue Herausforderung kann auch neuen Lebensmut und Zuversicht bringen. Zunächst ist auf jeden Fall – unabhängig von HIV – die Tauglichkeit der eigenen Geschäftsidee detailliert zu überprüfen. Ein Businessplan muss aufgestellt und mit Fachleuten besprochen werden. Die IHK bietet fundiert Unterstützung in Form von Existenzgründerseminaren, Coachings und finanziellen Zuschüssen.
Darüber hinaus gilt es, mögliche Nachteile abzuwägen und die eigene körperliche Belastbarkeit realistisch einzuschätzen. Wie gesund bin ich aktuell? Wie sieht das vermutlich in Zukunft aus? Wie versichere ich mich diesbezüglich? Um der in Deutschland bestehenden Krankenversicherungspflicht nachzukommen, müssen die gesetzlichen Krankenkassen eine sogenannte Freiwilligenversicherung
vorhalten. Dabei zahlt der Selbstständige 14,9 Prozent seines monatlichen Einkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2011: 3.712,50 €/Monat). Aktuell liegt der monatliche Beitrag somit bei 553,60 €. Vorteilhaft ist, dass Familienmitglieder günstig oder frei mitversichert werden können. Zudem kann für HIV-positive Selbstständige eine Zusatzversicherung über Krankengeld im Krankheitsfall interessant sein. Grundsätzlich kommt der Beitrag für die Pflegeversicherung hinzu (1,95 Prozent vom maßgeblich erwirtschafteten Einkommen). Private Krankenversicherungen bieten bei HIV-positivem Testergebnis nur noch den recht unattraktiven „Basistarif“ an. Besteht eine solche Versicherung bereits, kann sie genutzt und wegen HIV auch nicht gekündigt werden. Darüber hinaus
sollte auf jeden Fall eine private Altersvorsorge getroffen werden.
Tipp: Es kann nützlich sein, die ersten Schritte in die Selbstständigkeit parallel zu einem Teilzeitjob zu machen. Das gibt Rückhalt, falls das Geschäft nicht gleich so läuft wie gedacht, und
hält einen umfassenden Versicherungsschutz (Krankheit, Pflege, Alter) aufrecht.
Das größte Problem ist sicherlich, wenn man Risikokapital bei der Bank aufnehmen muss, so wie Bernd für die Ausstattung seines Salons. Die Aidshilfe konnte ihm einen kundigen Versicherungsmakler zur Absicherung des Kredits empfehlen. „Es war nicht ganz leicht: Die Versicherung hat Viruslast und Therapiedauer in Risikozuschläge umgerechnet und meine Lebensversicherung wurde somit teurer“, berichtet Bernd. „Aber das war es mir wert.“ Man glaubt es ihm gerne, wenn man ihn heute als Jungunternehmer in seinem gut besuchten Friseursalon erlebt.
