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HIV @ WORK

HIV-Coming-out am Arbeitsplatz – ja oder nein?

Zwei Drittel aller HIV-Infizierten in Deutschland, d. h. 46.000 Menschen, sind berufstätig. Ein zentrales Thema ist dabei: Erzählen oder schweigen – wie gehe ich mit HIV am Arbeitsplatz um?

Still sei es gewesen, berichtet Tom, 46 Jahre, als er sich in der improvisierten Betriebsversammlung einer Gärtnerei in Bayern als HIV-positiv outete. Sicherlich ein ungewöhnlicher Weg. Selten wird es allen Mitarbeitern im Betrieb auf einmal gesagt, sondern meist nur einzelne Kollegen vertraulich informiert. Viele HIV-positive Arbeitnehmer möchten, dass die Infektion nicht bekannt wird, fürchten sie sich doch vor Diskriminierung bis hin zu – rechtswidriger – Kündigung.

Bei Tom waren die Reaktionen sehr positiv: „Nur am Anfang taten sich manche schwer. In dieser Zeit musste ich ihnen viel über HIV erklären, vor allem, dass man sich bei der Arbeit nicht anstecken kann.“ Dass der Betrieb familiär geführt ist, fand Tom einerseits hilfreich, anderseits erhöhte es den Druck. Nach einer längeren Zeit im Krankenhaus häuften sich besorgte Nachfragen, auf die er irgendwann keine Antwort mehr fand. „Ich wollte einfach ehrlich sein!“, erklärt er.

Dennoch ist eine selbstbestimmte Entscheidung wie bei Tom nicht immer möglich. Denn auch wenn man sich im Vertrauen bei Vorgesetzten oder Mitarbeitern offenbart, muss dies nicht immer unter vier Augen bleiben – ebenso wie Privates am Arbeitsplatz manchmal nicht privat bleibt. Auch darauf sollte man in einem Umfeld, wo man mitunter die meiste Zeit des Tages verbringt, gefasst sein.

Eine Empfehlung – für oder gegen ein HIV-Outing am Arbeitsplatz – ist schwierig.
Eine Empfehlung ist ebenso schwierig, wie der persönliche Umgang mit der Infektion unterschiedlich ist. Einige betrachten HIV als ihre Privatsache oder befürchten negative Folgen am Arbeitsplatz. Andere erwarten sich Offenheit und möchten unbefangen weiterarbeiten können. So oder so sollte man sich als Betroffener einige Punkte gut überlegen:

•    Bin ich selbstbewusst genug und ausreichend über HIV informiert, um die (unbegründeten) Infektionsängste meiner Kollegen zerstreuen zu können?

•    Wie ging der Betrieb / Vorgesetzte / Kollege in der Vergangenheit mit chronisch kranken Mitarbeitern um?

•    Gibt es einen Kollegen, mit dem ich mich vorab vertraulich besprechen kann, um eine Einschätzung zu erlangen?

•    Wer hilft mir, wenn etwas schief geht? Habe ich ein Helfernetz (Partner, Familie, Kollegen, Betriebsrat, AIDS-Hilfe, Rechtsanwalt)?

Ein Coming-out am Arbeitsplatz ist ein mutiger Schritt. Gesellschaftlich wünschenswert wäre es indes, wenn sich mehr Betroffene zur Sichtbarkeit am Arbeitsplatz entscheiden würden, braucht es doch im Erwerbsleben wie überall HIV-positive Vorbilder. Bei der Entscheidung für oder wider ein Coming-out im Berufsleben helfen die Selbsthilfegruppen HIV-positiver Arbeitnehmer (www.positivarbeiten.de) sowie die lokalen AIDS-Hilfen.