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HIV @ WORK

Ganz schön knifflig – HIV am Arbeitsplatz aus Arbeitgebersicht

HIV-Infizierte müssen sich manchen Problemen und Herausforderungen am Arbeitsplatz stellen. Aber auch die Arbeitgeber machen sich ihre Gedanken und überlegen, wie sie HIV-positive Angestellte oder Kollegen unterstützen können.

„Gut ein Drittel der Anrufe zu HIV am Arbeitsplatz kommen von verunsicherten Kollegen und Arbeitgebern, die Unterstützung benötigen. Häufig glauben sie irrtümlich, dass es eine Meldepflicht für HIV gibt und sie sich strafbar machen, wenn sie nicht die Belegschaft oder das Gesundheitsamt
informieren“, berichtet Frau Brunner, Beraterin zu HIV am Arbeitsplatz in der Münchner Aids-Hilfe. „Sie sind sehr erleichtert, wenn sie erfahren, dass sie das nicht müssen – auch gar nicht dürfen – und einfach menschlich den von HIV betroffenen Kollegen zur Seite stehen können.“

Manchmal ist Unterstützung aber für den Betrieb gar nicht so einfach. So berichtet die Personalchefin eines großen Kaufhauses von einem Mitarbeiter, der unter striktem Hinweis auf den
Datenschutz seine Vorgesetzten über seine HIV-Neuinfektion informierte – es aber unterdessen vielen Kollegen erzählte. Die durch diese Offenbarung überrumpelte und verunsicherte Belegschaft
zu beruhigen und gleichzeitig mit dem Mitarbeiter ins Gespräch zu kommen, erwies sich als knifflige
Aufgabe für die Geschäftsführung. Die Aids-Hilfe konnte aufklären und unterstützen. „Aber man wünscht sich manchmal schon, dass auch positive Mitarbeiter sich die Folgen ihres Handelns am Arbeitsplatz besser überlegen“, so ein nachdenklicher Berater. Die Aufklärung von Mitarbeitern eines
Betriebes besteht häufig in der Vermittlung von Basiswissen. Zentral ist die Frage, ob man sich am Arbeitsplatz infizieren kann. Mittels Infoveranstaltungen an Gesundheitstagen kann viel erreicht werden. „So kommen die Kollegen über HIV ins Gespräch und haben weniger Angst. Das kommt
dem positiven Kollegen an Bord sicher zugute, auch ohne dass er sich gleich outen muss“, fasst der Betriebsarzt eines Luftfahrtunternehmens seine Erfahrungen zusammen.

Betriebsärzten kommt häufig eine zentrale Rolle zu, da sie vom Betrieb als Fachleute zum Thema wahrgenommen werden. Häufig sind aber auch sie zum ersten Mal mit HIV konfrontiert und benötigen den aktuellenWissensstand; zum Beispiel, dass man sich am Arbeitsplatz nicht mit HIV anstecken kann. Generell gilt es für alle, sich fundiert zu informieren, bevor man mit unklaren „Fakten“ die Belegschaft beunruhigt.

Schwierig wird es in Branchen, bei denen der direkte Kundenkontakt im Vordergrund steht. Beispielsweise legen Kosmetikstudios, Friseursalons, medizinische Institutionen, häufig auch die Gastronomie viel Wert auf einen stillschweigenden Umgang mit HIV hinsichtlich ihrer Kunden,  Patienten und Gäste: Sie können das Dilemma nicht lösen, dass schlecht aufgeklärte und verängstigte Kunden fernbleiben könnten. Doch gerade in einer nicht aufgeklärten Welt bleiben menschliche und solidarische Unterstützung wichtig für alle HIV-positiven Kollegen am Arbeitsplatz.