KOMPAKTWISSEN
EIN GUTES BAUCHGEFÜHL DURCH BALLASTSTOFFE
Viele HIV-Positive haben mit Blähbauch, Verstopfung oder Durchfall zu kämpfen. Dagegen kannst du jedoch etwas tun. Mit der richtigen Ernährungsweise kannst du deinem Darm und damit auch deinem Wohlbefinden etwas Gutes tun. Dabei sorgen insbesondere Ballaststoffe für ein gutes Bauchgefühl. Denn diese helfen bei der Regulation der Darmfunktion und tragen zu einer gesunden Darmflora bei.
Was sind Ballaststoffe?
Ballaststoffe sind ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreideprodukten (Brot, Haferflocken), Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst enthalten. Sie lassen sich nicht als einheitlicher Stoff definieren, sondern bestehen aus einer Reihe von unterschiedlichen chemischen Verbindungen. Die meisten gehören zur Gruppe der Kohlenhydrate. Sie sind aus vielen, zum Teil unterschiedlichen Zuckereinheiten aufgebaut, die vom menschlichen Körper nicht verwertet werden.
Man unterscheidet die wasserunlöslichen und die wasserlöslichen Ballaststoffe. Die erste Gruppe, dazu zählen unter anderem Pektine, kommt in Obst und Gemüse vor. Unlösliche Ballaststoffe wie Zellulose und Lignin sind hingegen vorwiegend in Getreide und Hülsenfrüchten enthalten.
Während die verwertbaren Nahrungsinhaltsstoffe (Protein, Fett, Stärke und Zucker) im Magen und Dünndarm in kleine Bruchstücke aufgespalten und über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen werden, gelangen Ballaststoffe unverändert in den Dickdarm. Denn der menschliche Körper besitzt keine Enzyme, die sie aufspalten können.
Wie wirken Ballaststoffe?
Lösliche Ballaststoffe binden große Mengen an Wasser. Außerdem werden sie im Dickdarm von dort lebenden Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren und Gasen abgebaut. Die entstehenden Gase und Fettsäuren machen den Stuhl weicher, so dass er ohne Pressen abgesetzt werden kann. Dies beugt der Entstehung von Hämorrhoiden und Divertikeln (Ausstülpungen der Darmwand) vor. Die große Wasserbindungsfähigkeit der löslichen Ballaststoffe hilft bei Durchfall. So sorgen zum Beispiel geriebener Apfel oder Möhrensuppe bei Durchfall-Patienten für Linderung.
Gleichzeitig dienen die löslichen Ballaststoffe den Darmbakterien als Nahrung. Die Darmbakterien können sich vermehren und ihre Zellmasse nimmt zu. Da schätzungsweise 60 % des Stuhlvolumens aus der Zellmasse von Bakterien besteht, können die Ballaststoffe so zusätzlich das Stuhlvolumen vergrößern. Sie haben somit auch eine verdauungsfördernde Wirkung.
Unlösliche Ballaststoffe wirken auf einem anderen Weg: Sie binden wesentlich weniger Wasser als die löslichen Ballaststoffe. Da sie jedoch kaum abgebaut werden, erhöhen sie das Stuhlvolumen noch stärker als die löslichen Ballaststoffe. Auf diese Weise fördern unlösliche Ballaststoffe die Bewegung des Darms, wodurch die Nahrungsreste wesentlich schneller zum Körperausgang gelangen. Somit wirken unlösliche Ballaststoffe besonders effektiv gegen Verstopfungen.
Präbiotika: wertvolle Helfer
Besondere Beachtung haben in letzter Zeit die so genannten Präbiotika (oder Prebiotika) erlangt. Diese werden zur Gruppe der wasserlöslichen Ballaststoffe gerechnet und haben eine besondere Bedeutung für die Darmgesundheit. Denn sie fördern das Wachstumg von ganz bestimmten im Darm lebenden Bakterien. Die bei uns am häufigsten eingesetzten präbiotisch wirkenden Nahrungsinhaltsstoffe sind Inulin und Oligofruktose. Es handelt sich dabei um kettenartige Verbindungen (Oligosaccharide) von Fruchtzucker.
Wie wirken Präbiotika?
Präbiotika gelangen praktisch unverdaut in den Darm. Dort dienen sie vor allem den erwünschten Milchsäure- und Bifidusbakterien als Nahrung. Dadurch haben diese Mikroorganismen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bakterien und Krankheitserregern und können gasbildende oder krankmachende Keime verdrängen. Damit wird die Darmflora positiv beeinflusst. Im Gegensatz zu Inulin und Oligofruktose dienen andere lösliche Ballaststoffe auch anderen Mikroorganismen als Nahrung. Sie haben also keinen gezielten Nutzen für die erwünschten Darmbakterien.
Präbiotika und Gesundheit
Der wissenschaftliche Nachweis für die gesundheitlichen Wirkungen von Präbiotika ist schwierig. Aus diesem Grund konnte nur ein Teil der positiven Effekte bewiesen werden. Die wichtigsten Effekte sind:
• Reduktion von Blähungen
• positiver Einfluss auf Durchfallerkrankungen
• selteneres Auftreten von Verstopfungen
• (möglicherweise) Stimulation des Immunsystems
• (möglicherweise) gesenktes Krebsrisiko
• Senkung der Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut
Wo finden sich Präbiotika?
Inulin und Oligofrucctose kommen natürlicherweise in vielen Pflanzen als Reservekohlenhydrat vor. Dazu gehören Zicchorienwurzeln, Schwarzwurzeln, Chicoree, Topinambur oder Spargel. Es gibt aber auch eine Reihe von Lebensmitteln, denen Präbiotika zugesetzt werden. Denn Oligosaccharide haben neben den oben genannten Wirkungen auch wünschenswerte lebensmitteltechnologische Eigenschaften, wie das Eindicken von Drinks und Joghurten. Präbiotische Ballaststoffe finden sich daher unter anderem in Brot und Backwaren, Brotaufstrichen, Milchprodukten insbesondere Joghurtdrinks, Erfrischungsgetränken und sogar in Früchtetees. Ein Blick in die Zutatenliste hilft hier weiter.
Präbiotika schaffen ein gutes Klima im Darm. Übertreiben sollte man es jedoch damit auch nicht. Wer sich zu schnelle umstellt oder ausschließlich von Produkten ernähren würde, die mit präbiotischen Ballaststoffen hergestellt werden, muss Durchfälle und Blähungen befürchten. Daher sollte man den Körper langsam an die neuen Ballaststoffe gewöhnen, damit die Darmflora sich langsam umstellen und die positive Wirkung entfalten kann.
FAZIT:
Ballaststoffe haben eine positive Wirkung auf die Darmgesundheit und sollten daher in einer darmgesunden Ernährung nicht zu kurz kommen. Wenn du unter einem speziellen Verdauungsproblem leidest, kannst du Ballaststoffe gezielt zur Linderung einsetzen. So helfen bei Durchfall vor allem die löslichen Ballaststoffe aus Obst und Gemüse. Leidest du eher unter Verstopfung, solltest du häufiger zu Vollkorngetreideprodukte und Hülsenfrüchte greifen. Präbiotika können sowohl bei Durchfall, als auch bei Blähungen und Verstopfung helfen.
