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DESMONDS BLOG

Hallo liebe Besucher,

wie vielleicht einige von euch mitbekommen haben, gab es eine sehr persönliche Reportage über mich in dem Magazin „LhivFE“ mit dem Titel „Schritt für Schritt“ (Edition 11), in dem ich beschreibe, welche Umstände zu meiner Infektion mit HIV geführt haben, und wie ich versuche damit umzugehen.

Weshalb ich nun auch noch einen Blog schreibe?

Ich weiß bereits seit dem Sommer 2008, dass ich HIV-positiv bin, und hatte viel Zeit meine Gedanken zu ordnen und mir über einiges klar zu werden. Jetzt habe ich einfach das Bedürfnis, offen darüber zu reden und auch, mir alles von der Seele zu schreiben. Hierdurch lerne ich auch, mit den Umständen umzugehen.

Zusätzlich erhoffe ich mir, dass ich Menschen erreiche, denen es genau so geht und freue mich darauf, vielleicht die ein oder andere Reaktionen von euch zu bekommen.

In meinem Blog möchte ich regelmäßig davon berichten, was ich erlebe und wie ich mich fühle, was mich beschäftigt und wie ich mit alten und neuen Erlebnissen umgehe.

Ich freue mich sehr auf euer Feedback, sei es in Form von Kommentaren oder persönlichen Mails, die ihr mir natürlich auch gerne schicken könnt.

Herzliche Grüße!

Euer
Desmond



06.09.2010

Ein emotionales Wochenende

Hallo Ihr Lieben...

Ich hatte Samstag frei und habe erst einmal ausgiebig ausgeschlafen... Später dann traf ich mich mit einer guten Freundin und wir gingen ein bisschen (aber wirklich nur ein bisschen) Shoppen... :-)))

Als wir dann vom Shopping genug hatten, sind wir runter zum Rhein, haben uns auf eine der Mauern gesetzt und die Sonne genossen. Samstag war aber auch ein wunderschönes Wetter. Wir saßen einfach nur so da, schauten auf den Rhein, erzählten uns blödes Zeug... wie wir es halt immer tun… und ließen die warme Sonne auf uns scheinen. :-)))

Gestern war dann die Nachhochzeitsfeier von zwei Freunden von mir. Ich meine, ich hatte Euch von den beiden erzählt. Ich war so traurig, dass ich nicht zu ihrer Hochzeit kommen konnte, da diese an dem Gruppenwochenende stattfand. Dies wäre meine erste schwule Hochzeit gewesen und ich wäre so gerne dabei gewesen. Nun sind wir gestern zu dritt zu den beiden gefahren und haben was zusammen gekocht. Es war ein wirklich schöner Abend und  natürlich schauten wir auch die Hochzeitfotos an. Das war so romantisch. Es war so schön die beiden so glücklich zu sehen. Im Rathaus auf dem Standesamt... :-))) Unglaublich!!! Das möchte ich auch irgendwann, wenn ich meinen Traumprinzen gefunden habe. Ganz traditionell, eine große Feier mit Freunden und Familie.

Und dann ist trotz aller Romantik noch etwas anderes, trauriges passiert:

Als wir mit dem Auto unterwegs waren, habe ich Huckleberry Finn auf der anderen Straßenseite gesehen – ihr wisst schon, der Junge, den ich aus der Drogenklinik kenne und mit dem ich Monate lang zu Gange war, der mich einiges an Nerven und Gefühlen gekostet hat… :-(((

Erst dachte ich, ich sehe nicht richtig. Er sah extrem fertig aus und hat sich in keinster Weise verbessert. Und dann lief er auch noch mit einer ehemaligen Patientin Hand in Hand, die damals aus der Klinik geflogen ist, da sie während des Klinikaufenthaltes Drogen konsumierte. Er ist leider wohl noch tiefer gesunken und hat nicht den Absprung geschafft. Im Gegenteil. :-(((

Wisst Ihr was: In dem Moment, wo ich ihn gesehen habe, war ich erst einmal für zehn Minuten geschockt und auch sehr traurig. Aber ich weiß, dass ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe! Ich wäre nicht stark genug gewesen, um ihm wirklich zu helfen und die Gefahr war zu groß, dass ich mich auch in etwas hineinziehen lasse… ich war auch noch nicht weit genug! Ein bisschen traurig macht mich das alles schon. Aber das Thema ist abgehakt!!!

Euch allen einen guten Start in die neue Woche!!!

03.09.2010

Anzahl: 2

Offenheit!

Hallo Ihr Lieben...

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit doch vergeht. Und schon ist wieder eine Woche vorbei. Und ich habe das Gefühl, schon wieder Wochen, wenn nicht Monate aus meinem Urlaub zurück zu sein. Es ist ja auch so viel passiert, denn immerhin hat die Schule begonnen!

Jeder hat sich natürlich ein wenig in der Klasse vorgestellt, was er so macht, seine Interessen usw. Ich redete nicht von meinem Blog, aber von meiner Leidenschaft des Singens. Mein Klassenkamerad, neben dem ich sitze,hat mich gestern im Internet gesucht und ist auf meinen Blog aufmerksam geworden. Er hatte es gestern angedeutet, dass er doch gerne mal was von mir hören wollte. Prompt schreibt er mich gestern Abend bei Facebook an. Er wäre gerade dabei, sich die Reportage durchzulesen und fände es toll, dass ich so offen damit umgehe.

Natürlich spielt das Thema HIV und mein öffentlicher Umgang in Zusammenhang mit meiner Schule und meiner Klasse auch eine doch sehr große Rolle für mich. Ich denke, ich habe keine Angst vor bösen Reaktionen. Zumal ich in der Vergangenheit für mich festgestellt habe, dass, wenn Menschen in meinem Umfeld von meiner HIV Infektion erfahren, sie sich erst einmal gar nicht trauen, mich darauf anzusprechen. Obwohl es sie aber irgendwie sehr interessiert, was ja gar nicht schlecht ist.

Ich habe in meinem Urlaub eine Mail von einem Leser bekommen, der mir schrieb, dass er es zwar mutig fände, so offen mit meiner Infektion umzugehen, aber eben auch sehr gefährlich. Da es immer noch Menschen gäbe, die gegen Homosexualität sind. Ich empfinde es irgendwie nicht so. Oder sagen wir so: Ich mache mir darüber einfach keine Gedanken. Ich habe keine Angst davor. Ich denke mir auch, dass die Menschen, die nichts mit den Thema Homosexualität und HIV anfangen können, sich eben auch nicht in diesen Kreisen bewegen. Sei es jetzt im Internet oder draußen im alltäglichen Leben.

Natürlich habe ich mich auch mal gefragt: Bin ich zu unvorsichtig, bin ich zu naiv???

Mein Umgang mit der Öffentlichkeit in Bezug auf meine Infektion, sprich mein Blog, gehört mittlerweile genauso zu mir, wie meine Leidenschaft zum Singen. Ich kann und will es einfach nicht ändern. Alles, was gefühlt zu mir gehört muss ich zulassen, und für mich jeden Tag von Neuem auf mich wirken lassen und entdecken. Es beeinflusst mein Denken und Fühlen in Bezug auf meine Infektion. Dieser Blog hier, mein Blog, ist meine persönliche Auseinandersetzung und Verarbeitung dieser Infektion!!! Ich kann es nicht anders beschreiben. Und so lange ich dieses Gefühl habe, kann ich gar nicht aufhören zu schreiben... :-)))

Es tut mir einfach gut!!!

Ich wünsche Euch allen ein ganz tolles Wochenende!!!

01.09.2010

Anzahl: 1

Mein erster Schultag

Hallo Ihr Lieben...

Der erste Tag, an dem ich wieder gearbeitet habe war sehr schön. Ich würde im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen empfangen... :-))) Es war so ein tolles Gefühl wieder zur Arbeit zu kommen und zu wissen, dass man sich freut, wenn ich wiederkomme. Es ist so viel Wert, wenn man mit Spaß zur Arbeit kommt. Ich hatte bis jetzt immer das Glück. Obwohl es ja auch nicht immer nur mit Glück zu tun hat. Ich tue ja schließlich auch was dafür und ansonsten bin ich eben der, der ich bin, nämlich Desmond.

Ich habe mir gerade in den letzten Wochen darüber Gedanken gemacht, wie es wäre, wenn ich mich auf meiner Arbeitsstelle verstecken müsste??? Ich weiß, dass es nicht überall von Nöten ist, sich komplett zu outen, aber ich kann einfach nicht anders. Ich kann mir einfach nicht vorstellen in einer Branche zu arbeiten, wo ich mich leugnen müsste. Nun ist mir schon bewusst, dass es im Einzelhandel bestimmt auch um einiges leichter ist, sich als Schwuler zu outen, aber nicht unbedingt als Positiver. Das hängt nun wirklich mit den Menschen zusammen, mit denen man im Betrieb zu tun hat. Ich bin einfach glücklich, dass es so ist, wie es ist!!!

Nun war ich auch schon zwei Mal abends in der Schule... :-)))

Eine halbe Stunde, bevor ich zur Schule gegangen bin, wurde ich auf einmal nervös. Mir wurde schlecht, ich bekam Angst und ich war einfach völlig aufgeregt. Bei Auftritten ist es genauso. Die ganze Zeit bin ich gelassen, aber dann kurz vorher drehe ich am Rad... :-))) Auf dem Weg zur Schule, der übrigens nur sehr kurz ist, kamen mir dann die Erinnerungen an meine Berufsschulzeit hoch. Eine meiner schönsten Zeiten. Wie unsicher alle am Anfang waren und was für eine tolle Klassengemeinschaft aus uns wurde. Ich habe sogar jetzt noch Kontakt zu einigen von ihnen.

Der erste Schultag war aufregend. Alle trafen sich in der Aula und wir wurden in unsere drei Klassen eingeteilt. Meine Klassenlehrerin ist absolut super. Die war mir sofort sympathisch... :-))) Wie auch die anderen Lehrer. Ich weiß, es sind jetzt erst zwei Tage gewesen, aber ich habe innerlich Luftsprünge vor Freude gemacht, dass ich diese Entscheidung für mich getroffen habe. Wieder in die Schule zu gehen, der Schulalltag, die Lehrer, die Klassenkameraden – ich lerne endlich wieder was... :-))) Ich kann es überhaupt nicht glauben. Ich freue mich so sehr darüber.

Mal schauen, ob es in drei Monaten auch noch so sein wird, wenn wir die ersten Klausuren geschrieben haben... :-)))

Ich freue mich, wie mein Leben ist und ich bin glücklich!!!

30.08.2010

Zurück zu Hause

Hallo Ihr Lieben...

Ich bin wieder zurück... :-)))

Ich freue mich so sehr, wieder zu Hause zu sein. Der Urlaub war, trotz Turbolenzen, sehr schön und ich bereue nicht, dass ich es ausprobiert habe. Und ich rede nicht nur vom Segeln, sondern auch davon, mit einem mir eigentlich fremden Menschen zwei Wochen lang auf engstem Raum zusammen zu sein. Und ihm ja sozusagen mein Leben anzuvertrauen... :-))) Es hat wunderbar mit uns geklappt. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass zwischen uns von Anfang eine Vertrautheit herrschte, so dass ich niemals in den zwei Wochen Heimweh bekam. Er hat mir einfach ein gutes Gefühl vermittelt. Ich fühlte mich in seiner Gesellschaft sehr geborgen und absolut gut aufgehoben.
Was mich doch sehr verwunderte, war, dass wir beide so unterschiedlich sind, wie man es nur sein kann. Aber vielleicht haben wir uns gerade deswegen so gut verstanden... :-)))

Das Gruppenwochenende liegt nun schon wieder zwei Wochen zurück, aber ich habe das Gefühl, dass es erst gestern gewesen ist. Natürlich fühle ich dem so sehr nach, weil ich mich dort so richtig verliebt habe. Und es ist übrigens keine unerfüllte Liebe. Manchmal müssen Menschen, bevor sie zusammen sein können, Dinge mit sich selber regeln. Dinge, wo man selber keinen Einfluss drauf hat, außer die starken Gefühle, die ich ihm gegenüber empfinde und die seit dem Wochenende von Tag zu Tag immer stärker werden! Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum es sich dieses Mal so anders, einfach frei und schön anfühlt. Ohne irgendwelche Bedenken oder Ängste???

Immer, wenn ich in der Vergangenheit dachte mich verliebt zu haben, war es ein starkes Gefühl, ja, aber es war verbunden mit viel Schmerz und durch und durch mit Angst. Angst, abgelehnt zu werden, Angst, den Gefühlen meines Gegenüber nicht entsprechen zu können. Ich brauchte immer eine so große Menge an Energie und Kraft, um überhaupt mal neben meinen ganzen Ängsten und Bedenken was Schönes fühlen zu können. Ich hatte keinen Halt in meinem Leben und projizierte sofort das Gefühl von Sicherheit und Zuhause auf den, in den ich mich verliebte. Ich hoffte von ihm den Halt in meinem Leben zu bekommen, der mir so fehlte und den ich so sehr brauchte.

Heute verstehe ich es. Natürlich nicht zuletzt durch meine aktuelle Situation. Ich habe endlich Halt in mir gefunden. Ich habe mein Zuhause gefunden und ich bin mit mir im Reinen. Ich habe mir endlich Ziele gesteckt, die ich kaum erwarten kann zu verfolgen. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben an dem Punkt, wo ich sagen kann: „Ich liebe mein Leben so,  wie es gerade ist und ich bin angekommen!!!“ Ich freue mich auf meine Arbeit, ich freue mich auf meine Schule. Ich erfreue mich einfach meines Lebens. Und das ist der springende Punkt. Das, was ich diesem Mann gegenüber empfinde, diese Sehnsucht, dieses Verlangen nach Berührung, diese Ruhe in mir, das alles, was er in mir auslöst, ist so rein, ohne Ängste, ohne Bedenken, sodass ich einfach nur das Gefühl an sich spüre und in vollen Zügen genieße. Ich habe noch niemals jemanden gegenüber so bedingungslos gefühlt!!!

Ich bin froh, wieder da zu sein und zu schreiben. Das hat mir doch ganz schön gefehlt... :-)))

Heute gehe ich erst einmal wieder arbeiten. Ich freue mich sehr auf meine Arbeitskollegen und habe sie sehr vermisst. Und heute Abend habe ich dann endlich meinen ersten Schultag. Endlich ist es so weit. Wer hätte das gedacht. Desmond geht nochmal zur Schule und freut sich auch noch darauf... :-)))

Ich wünsche Euch allen einen tollen Start in die neue Woche... :-)))

27.08.2010

Schiffs-Logbuch, Teil 3

Der Heimweg war dann doch krasser als gedacht. Zunächst hatten wir unseren Weg über die Nordsee angetreten, was ich nicht wirklich gut ausgehalten habe... musste mich erst mal hinlegen, weil mir soooo übel war!!! Der Kapitän hat dann entschlossen einen anderen Weg zu nehmen und bis gestern Abend sind wir dann über die Kanäle gefahren! Eigentlich ja ganz schön, nur das Wetter spielt nicht mit!! Es ist nass und kalt, wo ist denn der Sommer geblieben??? Und dann mussten wir auch noch vor einer Brücke anlegen, die gestern nicht mehr öffnete... Naja, heute gings dann weiter und ich kann es kaum erwarten endlich nach Hause zu kommen!! :-)))

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und ab Montag gibt es dann wieder Blogeinträge wie gewohnt!!! Ich freue mich sehr darauf! :-))

23.08.2010

Schiffs-Logbuch, Teil 2

Wir sind jetzt schon einige Tage auf Ameland! Eigentlich wollten wir ja langsam auf den Heimweg segeln, mussten uns dann aber nach ca. 4 Stunden von der Küstenwache abholen lassen, da sich unser Ruder gelöst hatte! :-((( Mein Gott, war das ein Akt! Zu Anfang kamen sie mit zwei großen Abschleppschiffen und dann noch mit einem kleinen Boot!! Aber mir geht es gut!!
Was das andere "abgeschleppt werden" angeht erstatte ich euch ausführlich Bericht, wenn ich zurück bin... Jetzt wie immer nur dein Kurzbericht von unterwegs! :-))

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