Kompaktwissen
Eiweiß: Bausteine des Lebens
Eiweiß ist für HIV-Positive ein ganz wichtiger
Nährstoff. Es dient als Baustein für Muskeln und sichert so Kraft und
Leistungsfähigkeit. Da das Virus selbst aus Eiweißbausteinen besteht, entzieht
er bei seiner Vermehrung dem Körper diesen Nährstoff. Je höher die Viruslast,
desto höher ist der zusätzliche Bedarf an Eiweiß. Dementsprechend liegen die
Eiweißempfehlungen für HIV-Positive auch über denen für gesunde Menschen. Die
Empfehlungen liegen für gesunde Menschen bei 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm
Körpergewicht pro Tag. Im Durchschnitt verzehrt der Bundesbürger 1,0 bis 1,2 g Eiweiß
pro Kilogramm Körpergewicht. Für HIV-Positive wird eine Eiweißaufnahme von 1,2
g pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen.
Wie decke ich den Eiweißbedarf?
Durch viele leckere, eiweißreiche Lebensmittel und eine geschickte
Kombination kann man auch den erhöhten Eiweißbedarf leicht abdecken. Die
Einnahme von Eiweißpulvern ist nur in seltenen Fällen notwendig. Für
eine ausreichende Eiweißversorgung sollte man täglich 2 bis 3 Portionen Milch und Milchprodukte zu sich nehmen.
Eine Portion entspricht dabei 1 Glas Milch, 1 Becher Joghurt oder 1 Scheibe
(30 g) Käse. Zudem sollte man auf eine Eiweißkomponente im Rahmen der
Hauptmahlzeiten wie Fleisch, Fisch, Eier oder Hülsenfrüchte. So zum Beispiel
- zum Frühstück ein knuspriges Müsli mit Milch,
- als Zwischenmahlzeit einen süßen Früchtequark,
- zum Mittagessen ein Fischfilet mit Blattspinat und Salzkartoffeln
- und als Abendessen ein Brot mit würzigem Käse.
Wenn man diese Empfehlungen berücksichtigt, sollte der HIV-bedingte Eiweißbedarf abgedeckt sein. Wer trotz ausreichender Eiweißportionen einen Gewichts-, Muskel- oder Kraftverlust feststellt, kann die Eiweißzufuhr mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls bei einer anerkannten und produktunabhängigen Ernährungsberatungsfachkraft überprüfen lassen. Eine solche Ernährungsberatung von anerkannten Fachkräften wird in Deutschland von den meisten Krankenkassen bezuschusst. Adressen von auf HIV spezialisierten Ernährungsberatungsfachkräften finden Sie unter:
Institut für Qualitätssicherung in der Ernährungstherapie und Ernährungsberatung - www.ernaehrungsexperten.de
Verband der Oecotrophologen -
www.vdoe.de
Was müssen Vegetarier berücksichtigen?
Neben den oft bevorzugten tierischen
Eiweißquellen, gibt es auch eine Reihe von guten pflanzlichen Eiweißquellen.
Dazu gehören Hülsenfrüchte, Getreide, Kartoffeln und Nüsse. Da pflanzliche
Eiweißquellen kein Cholesterin enthalten und zumeist fettärmer sind, sollten
sie insbesondere von HIV-Positiven mit Fettstoffwechselstörungen stärker
berücksichtigt werden. Besonders hochwertig sind Kombinationen aus pflanzlichen
und tierischen Eiweißquellen. Gerade Vegetarier oder Menschen mit einer
Abneigung gegen Fleisch und / oder Fisch müssen ein besonderes Augenmerk auf
Ihre Eiweißversorgung haben. Die Portion Fleisch oder Fisch kann durch 400 ml
Milch / Joghurt bzw. 300 g Quark ersetzt werden. Außerdem sollten Sie in diesem
Fall die folgenden hochwertigen Eiweißkombinationen bevorzugen:
| Günstige Kombinationen | Leckere Gerichte |
| Kartoffeln mit Ei | » Salzkartoffeln,
Rührei und Spinat » Kartoffelauflauf mit Eiersauce |
| Getreide mit Milch | » Pfannkuchen |
| Getreide mit Ei | » Brot mit Spiegelei |
| Getreide mit Hülsenfrüchten | » Spätzle mit Linsen |
Die folgenden Hauptmahlzeiten enthalten hingegen zu wenig Eiweiß:
-Nudeln mit Tomatensauce
-Kartoffeln, Reis, Nudeln mit Gemüse
-Salat mit Essig-Öl-Dressing und Brot
Diese Mahlzeiten sollte man daher durch eine Eiweißkomponente ergänzen, so zum
Beispiel einen Joghurt, einen Pudding oder eine Quarkspeise zum Nachtisch.
Was müssen Sportler beachten?
Gerade wer viel Sport betreibt, zum Beispiel Krafttraining, aber auch
Ausdauertraining muss gezielt auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten. Denn
der Körper benötigt zum Muskelaufbau zusätzliches Eiweiß. Aber auch hier lässt sich der Eiweißbedarf in den
meisten Fällen über normale Lebensmittel decken, wenn man auf die empfohlenen 3
Portionen Milchprodukte und die Eiweißkomponente im Rahmen der Hauptmahlzeiten (wie
Fleisch, Fisch, Eier oder Hülsenfrüchte) achtet. Auch bei Sportlern sind in den
seltensten Fällen Eiweißpräparate notwendig.
Neben der Eiweißversorgung, sollten Sportler auf eine ausreichende
Energiezufuhr achten! Ansonsten läuft man Gefahr, dass der Körper vermehrt Eiweiß
statt Kohlenhydrate und Fette zur Energiegewinnung heranzieht. Auch nicht vergessen sollte man die Kohlenhydratspeicher nach dem Sport wieder aufzufüllen.
Kann ich zuviel Eiweiß aufnehmen?
Wie bei allem, ist auch bei
Eiweiß ein Zuviel für den Körper und die Nieren belastend. Es sollten nicht
mehr
als 2 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag verzehrt werden. Zu vermeiden
ist daher eine extrem hohe Eiweißzufuhr insbesondere durch Eiweißkonzentrate.
Bevor man Eiweißpräparate einnimmt, sollten man bei einer
Ernährungsberatungsfachkraft abklären lassen, ob dies überhaupt notwendig ist.
Achten Sie gerade bei einer hohen Eiweißzufuhr auf eine ausreichende
Trinkmenge. Trinken Sie mindestens 8 Gläser à 200 ml pro Tag.
Empfehlungen auf einen Blick:
-Täglich 2 – 3 Portionen Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Käse und zusätzlich
-eine Eiweißkomponente in der Hauptmahlzeit (Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Tofu oder Eier) oder stattdessen eine hochwertige Eiweißkombination wie Kartoffeln mit Milch, Getreide mit Milch, Getreide mit Hülsenfrüchte, Hülsenfrüchte mit Milch
© Christof Meinhold, GEM e.V.
